Zuerst: Erntegedichte 2006 und  2005, dann: Geschichte der Ruhlsdorfer Kirchturmuhr; danach: Erntepredigten (in Gedichtform)

 Erntegedicht 2006

 

Ein jedes Jahr erinnert uns aufs neue

das Erntefest an Gottes große Treue.

 

 

Die Pflaumen, Birnen, Gurken und Tomaten,

und alles, was da wieder kam aus unsern Saaten,

die roten Äpfel und die Kürbis lecker,

Getreidekörner für den Zuckerbäcker:

all´ dieses lässt das Staunen werden groß:

ist es nicht wirklich fein und ganz famos:

Dass da aus einem Samenkorn ganz klein

Geworfen in die tiefe Erd´ hinein,

ganz segensreich herauskomm´n solche Gaben,

an denen sich dann unser Herz kann laben.

 

 

Bedenkt doch wieder, wie ein Apfelkern

- nicht mal ein Zentimeter gut und gern -

dann gibt den Grund für einen großen Baum,

bei dem zu zählen sind die Äpfel kaum.

 

Bedenkt doch, wie das alles vor sich geht,

am Sternenzelt und selbst im kleinsten Beet:

und wir, wir sind doch mittenrein gestellt,

und Teil des Ganzen, wunderbar erwählt,

auch mit zu tun, zu schaffen, zu bewahr´n:

damit wir wieder gute Ernt` einfahr´n.

 

Bedenkt: allein könnt ihr nur durch die Gaben

doch auch noch nicht das wahre Leben haben.

An jedem Erntedankfest wird er neu genannt:
Der reiche Bauer, der sich hat verkannt,

und dacht, die vollenScheunen wärn das Heil derSeel

und mußt´ sie doch darauf abgeben schnell.

 

 

 

Drum ist es gut, dem Geber Dank zu sagen,

und fest mit ihm im Bund zu sein an allen Tagen.

Die Freud´ ist groß, die wollen wir ausdrücken,

und fester auch dabei zusammenrücken.

 

 

Das Erntefest, das will uns Gutes zeigen,

doch wolln wir auch das Schwere nicht verschweigen.

Für viele hier und in der weiten Welt,

da fehlt´s an Arbeit, Frieden und an Geld.

 

Gott schenkt uns Gaben reichlich und auch viel

und hat mit seinem Wirken auch das Ziel,

dass wir ganz treu das uns´re tun und machen

und teilen, geben ab von diesen Sachen.

 

Der Sommer, der war heiß und wunderschön

- zunächst, und es gab Spannendes zu sehn:

Der Fußball rollte quer durch unser Land,

und knüpfte da ein riesengroßes Band.

Ist das nicht auch ein großer Grund zum Danken,

so viele Mauern, die zu Boden sanken:

Da war bei uns zu Gast die Welt, die ganze,

zum Spielen, Jubeln, Feiern und zum Tanze.

 

(Bild der Kirche in Ruhlsdorf, Zeichnung)

 

 

Im Juli – wisst Ihr noch, wie schön das war –

gefeiert haben wir da hundertzwanzig Jahr

von unserm Kirchlein hier in diesem Ort

den Turm, den kann man sehen von weit fort:

am Tag natürlich, doch, wer hätte es gedacht:

jetzt nicht nur da, sondern auch in der Nacht.

 

 

 

Doch einen guten Grund gibt´s auch noch heut,

ein großes Dankeschön zu sagen vor den Leut:

Herr Henze, Dieter ist nun sieb´nund zwanzig Jahr

im Dienst für uns mit Leib, Seel, Haut und Haar.

 

Hier sitzt er, und Ihr kennt ihn alle:

Er weiß stets Rat, ist da in jedem Falle:

Wer baut, wer feiert, weint oder auch lacht:

des Bürgermeisters Tür war offen Tag und Nacht.

Wer hat den Schlüssel? Wer schlichtet die Fehde?

Wer läuft, wer geht zum Amt, wer hält die Rede?

Wer denkt sich wieder etwas Neues aus?

Wer kümmert sich um jeden Mann und Maus?

Und das nicht nur ein Mal, sondern mit Dauer,

und durch die Jahr, ob süße oder sauer:
Der Mann, der hat das hier für uns gemacht,

und dafür sei ihm herzlich Dank gesagt.

 

***

Nun wollen wir es feiern, liebe Leute:

Das Erntefest in Ruhlsdorf, das ist heute.

Und wie es Brauch ist, lasst uns dazu singen,

wie es auch schon die Väter einst anfingen:

das große Danklied jetzt auf unsern Gott,

der Kraft uns gab und gibt, auch fort und fort.

 

Nun danket alle Gott

mit Herzen, Mund und Händen,

der große Dinge tut

an uns und allen Enden,

der uns von Mutterleib

und Kindesbeinen an

unzählig viel zu gut

bis hierher hat getan.

 

Der ewigreiche Gott

woll uns bei unserm Leben

ein immer fröhlich Herz

und edlen Frieden geben

und uns in seiner Gnad

erhalten fort und fort

und uns aus aller Not

erlösen hier und dort.

 

Erntegedicht 2005

 

Der Tisch ist reich gedeckt,

drum lasst uns nun Dank sagen,

wie´s üblich ist im ganzen Land in diesen Tagen,

wie´s auch seit langem ist in Ruhlsdorf Sitte,

deshalb ja steht die Kirch´ ins Dorfes Mitte.

 

Die vielen wolln´ wir heute nicht vergessen,

die sorgten, dass wir haben satt zu essen:

im Stall, im Feld und auch in manchem Garten,

in Laden, Handel und auf großen Fahrten.

 

Dem Herrn sei Dank, der gab dazu die Kraft;

Zeit, Möglichkeit und reichlich Lebenssaft;

der wirkt` hindurch durch Sonnenschein und Regen

und auch in diesem Jahr uns gab den Segen.

 

Zwar mag es da manch Tag, manch Stunde geben,

da dachten wir: Wir lenken selbst das Leben.

Doch dann – ich hoff`, nicht erst in großer Not

besannen wir uns doch auf sein Gebot.

 

Nicht alles liegt in unsrer Hand allein,

für etlich´ Ding ist unser Kopf zu klein,

die wollen wir getrost Gott überlassen,

denn sie sind für uns heute nicht zu fassen.

 

Wir haben diesen Draht zum Geber aller Gaben,

von ihm ist alles, was wir sind und haben:

wer sein Wort hört, der hört: Er meint es gut!

Das gibt uns Kraft und Freude und auch Mut.

 

Die Liebe, die er gab, die woll´n wir nicht vergessen,

die soll dabei sein, auch bei diesem Essen.

Die Liebe könn´ wir sehn in all den Gaben,

an denen wir uns nun woll´n alle laben.

 

Die Liebe, dahin will er uns doch lenken:

Dass immer neu wir sie einander schenken.

So reichlich, wie die Frucht an manchem Baum,

so soll sie haben bei uns großen Raum.

 

Die Lieb´, aus der wir leben seit der Mutter Schoß,

um die es geht, in Hütte und in Schloss.

Die Lieb´, durch die das Leben sich erfüllt,

die mehr ist als das Geld der ganzen Welt.

 

Wir brauchen sie, die Liebe, die uns trägt,

dass über uns nicht schnell der Wind hin fegt:

Die Lieb` von Gott ist immer, alle Morgen:

Sind wir bei ihm, so sind wir wohl geborgen.

Drum lasst uns danken ihm in Freud und Schmerzen:

Sein Lob erschalle tief aus unsern Herzen.

Er meint es gut mit uns, das künden uns die Gaben,

die wir so reichlich heut auf unserm Tische haben.

 

So stimmt nun ein – das sei das letzte Wort:

Wir woll´n jetzt sing`n: „Nun danket alle Gott!“

 

 

Die

Ruhlsdorfer

Kirchturmuhr.

 

Gebaut 1890 - Wiederhergestellt 2005.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Alles hat seine Zeit,

und alles Vorhaben unter dem Himmel hat seine Stunde:

geboren werden hat seine Zeit, sterben hat seine Zeit;

pflanzen hat seine Zeit,

ausreißen, was gepflanzt ist, hat seine Zeit;

töten hat seine Zeit, heilen hat seine Zeit;

abbrechen hat seine Zeit, bauen hat seine Zeit;

weinen hat seine Zeit, lachen hat seine Zeit;

klagen hat seine Zeit, tanzen hat seine Zeit;

Steine wegwerfen hat seine Zeit,

Steine sammeln hat seine Zeit;

herzen hat seine Zeit, aufhören zu herzen hat seine Zeit;

suchen hat seine Zeit, verlieren hat seine Zeit;

behalten hat seine Zeit, wegwerfen hat seine Zeit;

zerreißen hat seine Zeit, zunähen hat seine Zeit;

schweigen hat seine Zeit, reden hat seine Zeit;

lieben hat seine Zeit, hassen hat seine Zeit;

Streit hat seine Zeit, Friede hat seine Zeit.

Gott hat alles schön gemacht zu seiner Zeit, auch hat er die Ewigkeit in ihr Herz gelegt, nur dass der Mensch nicht ergründen kann das Werk, das Gott tut,

weder Anfang noch Ende.

Da merkte ich, dass es nichts Besseres dabei gibt als fröhlich sein und sich gütlich tun in seinem Leben.

Denn ein Mensch, der da isst und trinkt und hat einen guten Mut bei all seinen Mühen,

das ist eine Gabe Gottes.

Ich merkte, dass alles, was Gott tut, das besteht für ewig; man kann nichts dazutun noch wegtun...

Gott, meine Zeit steht in Deinen Händen!    

 

Aus der Bibel, Prediger Salomo 3 und Psalm 31.

Auf den Plänen zum Neubau der Ruhlsdorfer Kirche ist sie bereits abgebildet: Die Kirchturmuhr. Das war eine Errungenschaft dieser Zeit, bis dahin waren Uhren selten, und an Kirchen in unserer Gegend gab es höchstens Sonnenuhren. Aber bei einem Kirchenneubau sollte die Uhr nicht fehlen! Gleich war es nicht möglich, die Uhr wurde nicht beim Kirchenbau 1886, sondern erst 1890 eingebaut, zusammen mit einer zweiten Glocke.
Man bedenke dabei, dass es zu dieser Zeit in fast keinem Haus eine Uhr gab, geschweige denn Armbanduhren. Mit der Uhr und ihrem Schlagen veränderte sich das Leben: Es wurde strukturiert. Richtete man sich bis dahin nach der Sonne, so ging es jetzt nach Stunden und Minuten. Es war in dieser Zeit beispielsweise noch üblich, mit Kreide Striche für jeden Wochentag an die Tür zu malen: Damit man wusste, welcher Wochentag und wann Sonntag war. Gab es doch kein Radio und auf dem Dorf auch kaum eine Zeitung.

 

Die älteren Ruhlsdorfer erinnern sich noch, dass die Uhr täglich zum Schulbeginn aufgezogen wurde. Ältere Schulkinder waren damit beauftragt, die Glocke zu läuten sowie die drei Gewichte neu aufzuziehen. Der Betrieb der Uhr war also eng mit der Schule in unmittelbarer Nachbarschaft der Kirche verbunden. - Die Uhr schlug damals zu jeder Viertelstunde, und zwar mit der kleinen (höheren) Glocke: einmal zur Viertelstunde, zweimal zur halben Stunde, dreimal zur Dreiviertelstunde, und viermal zur vollen Stunde. Dazu kam zur vollen Stunde dann der Klang der größeren (tieferen) Glocke mit den Gongschlägen entsprechend der Uhrzeit.

 

Die Uhr hat geschlagen: in der Kaiserzeit, zu Beginn und zum Ende des Ersten Weltkrieges; in der Inflationszeit, als ein Ei 1 Million Reichsmark kostete, zur Geburt vieler Kinder, bei mancher Hochzeit und Beerdigung. Mit ihrem Ton begann die Schule am Morgen und der Schulschluss. Sie zeigte die Zeit an, als die Nationalsozialisten an die Macht kamen; auch die Kriegszeit; seit 1940 die Sommerzeit. Nach dem Krieg sollte eine ganz neue Zeit anbrechen: Auch da schlug die Uhr dazu, bis sie schließlich stehen blieb: Um 1960. Einzelne verrostete Teile sind noch heute im Kirchturm aufgehoben. In den 90iger Jahren gab es – unterstützt auch durch Lotto-Toto Mittel sowie die Partnergemeinde aus Euskirchen – eine umfassende Turmsanierung. Das Geld reichte jedoch nicht, auch die Uhr wieder einzubauen. So wurden die vier Löcher verbrettert. Immerhin wehrte sich der Gemeindekirchenrat erfolgreich dagegen, sie einfach zuzumauern.

 

Hat die Uhr auch über 40 Jahre nicht geschlagen, so blieb doch der Wunsch der Ruhlsdorfer wach, sie wiederherzustellen. So schrieb Frau Irmgard Grützbach am Ende ihrer „Geschichte Ruhlsdorfs“ 1998: „Wie schön wäre es, wenn wir wieder eine Turmuhr bekommen könnten!“

Der 2003 neu gewählte Gemeindekirchenrat nahm sich der Sache an. „Die Wunde schließen“, so lautete die Überschrift eines Spendenaufrufs im Jessener Mitteilungsblatt zu Beginn des Jahres 2004. Der Ruf verhallte nicht ungehört. Gemeindekirchenrat Jörg-Michael Höhne, zugleich Feuerwehrhauptmann des Ortes, sammelte innerhalb und außerhalb Ruhlsdorfs zahlreiche Spenden ein. Dazu kamen Beiträge aus der Ferne: Die Evangelische Kirchengemeinde Euskirchen im Rheinland gab einen namhaften Betrag, die Partnergemeinde von Elster, Gentha und Ruhlsdorf. Im Oktober 2003 war eine Delegation von dort zu Besuch gewesen. Aus der Mainzer Auferstehungsgemeinde kam eine großzügige Spende – dorthin hatten die Ruhlsdorfer Konfirmanden und Jugendlichen eine Fahrt unternommen. Sogar aus weiter Ferne, aus Seattle vom Pazifischen Ozean, wo 2002 einmal Gäste in Ruhlsdorf und Seyda beherbergt worden sind, kam eine Gabe. So ist die Sanierung der Uhr auch ein Zeichen der Verbundenheit der Christen: Die Ruhlsdorfer Kirchengemeinde steht nicht allein.

 

Das ganze Dorf nahm an der Sammlung Anteil. So organisierte der Ruhlsdorfer Heimatverein mehrmals einen Kuchenbasar zum Heimatfest, wo die Spenden für die Uhr bestimmt waren. Der Ruhlsdorfer Heimatvereinschor unter Leitung von Herrn Herbert Müller erfreute mehrmals mit seinem Gesang in der Kirche die Ruhlsdorfer und auswärtige Gäste und verzichtete auf ein Honorar zugunsten der Uhr.

Einen letzten großen Beitrag stellte der Evangelische Kirchenkreis Wittenberg aus dem Baulastfond zur Verfügung: so war es möglich, die Arbeiten bis zum Dorffest 2005 fertig zu stellen.

Wenn wir nun also zur Uhr aufblicken, können wir uns auch an dieses Miteinander von so vielen verschiedenen Menschen aus Ruhlsdorf und aller Welt erinnern, denen die Sanierung am Herzen lag.

 

Genau wurde über die Gestaltung der Uhr beraten. Eine Hilfe war dabei das Vorhandensein von Resten eines alten Ziffernblattes. Schwarz und Weiß sollte es wieder sein, denn das ist am Besten aus der Ferne zu lesen (die Seydaer Gemeinde, die es mit Gold versucht hat, hatte da entsprechende Erfahrungen gemacht). Die schlichte, aber doch schöne Gestaltung der Zeiger ist ein Gemeinschaftswerk einer langen Beratung des Gemeindekirchenrates mit dem Uhrenhersteller, Herrn Wolfgang Schmidt aus Berlin.

Herr Willy Hintersdorf, vormals Kirchen-ratsvorsitzender und jetzt „im Ruhestand“, brachte den Vorschlag ein, die römische Vier doch so zu schreiben, wie es die Kinder in der Schule korrekterweise lernen.  - Auf den besonderen Wunsch der Jäger sollte die Uhr wieder einen Gongschlag erhalten. Er ist leider nur noch mit einem Ton möglich, da eine Glocke im Weltkrieg abgegeben werden musste. So kann die Glocke jetzt zur halben Stunde einmal und zur vollen Stunde entsprechend der Uhrzeit schlagen. Das erste Mal soll dies zur Einweihung beim Dorffest 2005 innerhalb der Feierstunde in der Kirche um 9 Uhr geschehen.

 

Am 19. und 20. Mai 2005 wurde die Uhr eingebaut. Ein Mitarbeiter der Firma Glockentechnik Schmidt aus Berlin, Herr Igor Strebel, tat das gemeinsam mit den Ruhlsdorfern Jörg-Michael Höhne und Thomas Thiele. Die Firma Elektro-Hintersdorf aus Mellnitz besorgte den elektrischen Anschluss. Ein Problem war das Aufbringen der schweren, im Durchmesser einen Meter messenden Ziffernblätter. Sogar das Rufen der Jessener Feuerwehr wurde erwogen. Dann aber konnten die Blätter doch innerhalb des Turmes hinaufgetragen werden. Noch im letzten Monat hatte die Firma den Einbau von Plastik-Ziffernblättern vorgeschlagen, um den Preis um etwa 1000 Euro zu senken; die Ruhlsdorfer Kirchenräte aber setzten auf Haltbarkeit aus ver-zinktem Stahl. Die Ziffernblätter wurden in Handarbeit von Dr. Vogeler in Berlin hergestellt.

Die Uhr wird über eine Funkuhr und einen kleinen Computer gesteuert, so dass sie wirklich ganz genau geht. Diese Steuerung wurde für einen geringen Aufpreis gleich etwas größer gewählt, um später damit auch einmal eine elektrische Läuteanlage betreiben zu können.

Die Uhr kostete im Ganzen schließlich 7.431,56 Euro plus die Elektroarbeiten, zu denen noch keine Rechnung vorliegt. An Spenden sind bisher 7.200 Euro eingegangen. Ein großer Betrag – in diesen Zeiten!

 

Die Uhr kann uns daran erinnern, dass wir den Kopf heben und neuen Mut schöpfen können, weil Gott mitten unter uns wirkt. Er ist uns treu, durch die Zeiten, und schenkt uns viel Zeit zum Leben. Unsere Zeit steht in seiner Hand! Vor 45 Jahren ist die Uhr einmal stehen geblieben, die damals 15 waren, sind heute 60.

 

Die Uhr kann uns daran erinnern, dass wir nicht allein sind, sondern Freunde; Schwestern und Brüder haben, in der Nähe und in der Ferne.

 

Die Uhr kann uns daran erinnern, dass etwas wieder heil werden kann, wo man dachte: Das wird nie mehr. In der Kirche geht es dabei um unser Herz, was bei Gott Geborgenheit und Frieden finden kann.

 

Zur Einweihung der neuen Kirchturmuhr am 29. Mai 2005.

 

 

 

Bilder:

Zeitungsartikel Mitteldeutsche Zeitung

Liedblatt zur Einweihung

Zeichnung Bauplanung 1885

 

Früher waren in unseren Orten gereimte „Erntepredigten“ Brauch. Sie spiegeln immer auch die Zeit wieder!
Erntepredigten:
1. Vom Lehrer Wagner aus Ruhlsdorf, 1919 (Aus: „Geschichte Ruhlsdorfs“ von Irmgard Grützbach, 1998)
2. Vom Lehrer Lommatzsch aus Zemnick, damals vorgetragen von der Schülerin Elly Pötzsch, heute verheiratete Zimmermann, die es jetzt noch auswendig kann (Aus: „Die Geschichte der Kirche in Zemnick“, 1998)
3. Von Frau Lieselotte Hintersdorf geb. Jackisch aus Ruhlsdorf 1957 (aufgeschrieben 2002)

4. Erntegedicht 2004

Erntepredigt aus Ruhlsdorf 1919
Von Fritz Wagner, Lehrer in Ruhlsdorf

Nach schwerer Arbeit, sauren Tagen
kann auch der Mensch mal fröhlich sein.

Drum Jugend komm, vergiss die Klagen,
Stimmt in den Erntejubel ein.
Freut euch des reichen Ernteglückes;
Schaut stolz auf Euren Erntekranz.

Doch eh’zum Tanz die Weisen klingen,
Lasst uns nach alter frommer Art
dem Herrgott unsern Dank erst bringen,
der uns die Früchte hat bewahrt.

Der da mit Tau und mildem Regen
die Fluren manchmal hat bedacht.
Ihm danken wir den Erntesegen,
der nun von uns ist eingebracht.

Drum faltet still mit mir die Hände
und sprechet mit mir im Gebet;
Die Ernte liegt ja doch am Ende
bei Gott, des Liebe nie vergeht.

Sei du mit uns auf allen Wegen
und segne unsrer Hände Tun;
dann wird des Himmels reicher Segen
auf uns und unsrer Arbeit ruhn.

Dann können wir beim Erntetanze
vergessen alle Müh und Not.
Und singen froh beim Erntekranze
das Lied: "Nun danket alle Gott".

Erntepredigt aus Zemnick 1936

Von Lehrer Lommatzsch, Zemnick

Die Ernt´ ist nun zuende,
der Segen eingebracht
woraus Gott alle Stände
satt, reich und fröhlich macht.
Der alte Gott lebt noch,
man kann es deutlich merken
an soviel Liebeswerken!
Drum preisen wir ihn hoch!
Ein Jahr harte Arbeit ist wieder vorbei,
wir waren ja alle feste dabei.
Und heut - nach alter Väter Brauch -
feiern wir ein Tag der Freude auch.
Ich begrüße all´ die Freunde und Gäste
zum heutigen Zemnicker Erntefeste!
In Berlin zur Olympiade freilich
herrscht mehr Leben
- aber was wir hier in Zemnick geben
an Gastfreundschaft, Liebe und Treu
soll ein Zeichen sein auf´s Neu,
daß wir auch gern Opfer bringen
und für Deutschlands Zukunft ringen.
Wir haben gearbeitet so fleißig
und mußten Enttäuschungen erleben im Jahre fünfundreißig.
Wohl gab es Stroh, aber die Körner gaben uns Ursach
zum Klagen, der Regen: ach,
er fehlte so sehr, und machte uns unsere Arbeit so schwer.
Gehofft haben wir auf eine gute Ernte
im nächsten Jahr.
Das haben wir alle, das ist wahr!
Und unsere Hoffnung war nicht vergebens:
Gott schickte uns in diesem Jahr mehr Regen,
er segnete unsere Arbeit, unsere Fluren und das Land.
Die Felder sind nun wieder abgeräumt,
die Arbeit ist zu Ende,
wir haben dabei nicht gesäumt,
voll Fleiß geregt die Hände.
Die Scheune birgt, was jedem frommt,
sobald der harte Winter kommt.
Ja, die Schnitter, sie hatten tüchtig zu tun
bei der Ernte, Tag um Tag, ohne zu ruhn.
Und wir Schnitterinnen waren wie die Bienen so fleißig
- das taten wir gern, denn die Ernte war besser im Jahr sechsunddreißig.
Aber all unser Fleiß, er wäre vergebens gewesen,
wenn Gottes starke Hand nicht hätt´ gewehrt
Unwetter und sonstiges Verderben,
was unsere Felder oft verheert.
Drum bitten wir Dich, Gott im Himmel,
für unser fernes Wohlergehn,
damit wir auch im nächsten Jahr
hier wieder dankbar vor Dir stehn.

(Anschließend wurde gemeinsam das Lied
„Nun danket alle Gott“ gesungen.)


Erntepredigt 1957

Von Lieselotte Hintersdorf geb. Jackisch, Ruhlsdorf

Lasst euch begrüßen von Nah und Fern
zum Fest, das endlich wieder da!
Das euch hierher in den Saal geführt -
wir wollen´s begehn, wie´s sich gebührt.

Das Fest, das immer in alter Pracht
gefeiert muss werden bis spät in die Nacht
soll sein uns ein Lohn für Mühe und Fleiß –
nicht weniger auch ein Gottespreis!

Wir haben ein schönes Werk vollendet,
da nun die Ernte ist geborgen.
Ein jeder half, dass abgewendet
für lange Zeit die Nahrungssorgen.

Bescheiden dürfen wir uns sagen:
Es schaffte jeder mit Bemühn!
In kalten und in Regentagen,
in Sturm und heißem Sonnenglühn.

Frühlingsanfang ließ sich gut an,
die erste Saat schon in den Boden kam.
Doch April und Mai hat es uns angetan
und manche Hoffnung bald zerrann.

Von der Saat bis hin zur Ernte
ist ein langer Weg – fürwahr.
Nicht jeder aus dem Ablauf lernte,
dass es schon jedes Jahr so war.

Die Sonne ließ das Korn schnell reifen,
die MTS griff tüchtig zu.
Doch schwarze Wolken ließen oft den Blick zum Himmel schweifen,
und so verrann die Zeit im Nu!

Bei schönem Wetter wurde viel geschafft,
die Traktoren summten Tag und Nacht!
Viele Pläne wurden aufgestellt -
und warteten doch auf den Herrn der Welt,
der uns das unbeständige Wetter schaffte
und alle Pläne zunichte machte.

Ein fester Wille lässt uns hoffen,
wir werden immer mehr erringen,
dem Tüchtigen steht alles offen,
er kann das höchste Ziel bezwingen.

Mag Blitz und Donner toben,
wir trauen doch dem oben,
der uns beschützt und unsre grüne Saat!
Die beste Stütze sind wir für den Staat.

Dann können wir beim Erntetanze
vergessen alle Müh und Not,
drum singet froh beim Erntekranze
das Lied: „Nun danket alle Gott!“

(MTS – Maschinen-Traktoren-Station)

Nun danket alle Gott
mit Herzen, Mund und Händen!
Der große Dinge tut
an uns und allen Enden.
Der uns von Mutterleib
und Kindesbeinen an
unzählig viel zu gut
bis hierher hat getan.

Der ewigreiche Gott
woll uns bei unserm Leben
ein immer fröhlich Herz
und edlen Frieden geben.
Und uns in seiner Gnad
erhalten fort und fort
und uns aus aller Not
erlösen hier und dort.

Lob, Ehr und Preis sei Gott
dem Vater und dem Sohne!
Und dem, der beiden gleich
im höchsten Himmelsthrone.
Ihm, dem dreieingen Gott
wie es im Anfang war
und ist und bleiben wird
so jetzt und immerdar.

Gedichtet von Martin Rinckart, Eilenburg, um 1630;
zunächst als Tischlied; später wurde es zum großen Danklied nach dem Ende des Dreißigjährigen Krieges; heute: Gesangbuch Nr. 321


Erntegedicht 2004

Der Herbst ist da, kühl werden nun die Tage

Zu Ende geht manch Ding, des Gartens Plage.

Doch hat es sich gelohnt: denn reichlich Frucht und Blüte

Schenkt Gott uns auch in diesem Jahr durch seine Güte.

 

Schnell ging das Jahr vorbei, im Sauseschritt

Vergeht die Zeit, und wir, wir gehen mit.

Doch nun, halt an, und freue dich doch auch:

Gefüllt sind Stall und Kammer und dein Bauch.

 

Oft haben wir gefragt: Kann das der Sommer sein?

Die Zahl der Regentage war nicht klein.

Doch gut war´s für das Wachsen auf dem Feld:

Viel schlimmer war das Klagen um das Geld.

 

Manch einen hat es hart getroffen dieses Jahr:

Nichts ist mehr, wie es früher einmal war!

Die Arbeit, die ist knapp in unserm Land,

und Geld, das fehlt der öffentlichen Hand.

 

Gut ist deshalb zu feiern solch ein Fest

Das uns die Dorfgemeinschaft spüren lässt:

Nicht allein sind wir, in gut´ und bösen Tagen

Und wollen immer auch nach unserm Nachbarn fragen.

 

Wir wollen uns erinnern, was wir wirklich haben:

Und da sind viele, viele Gottesgaben.

Die Früchte nannt ich schon, jedoch, es ist viel mehr:

Familie, Freunde, Land und weites Meer!

Die Tier im Stall und auf der grünen Heide,

vor allem aber: Lieb, Hoffnung auch und Freude.

 

Sorgt euch nicht um das Morgen, lässt der Herr uns sagen:

Ihr müsst genug euch schon mit Heute plagen.

Das freilich ist wirklich das, was zählt:

Vergesst die Liebe nicht, bei euch und in der Welt.

So viele andere große, mächtige Sachen,

die könnt ihr sowieso allein nicht machen,

dafür verlasst euch ganz auf Gottes Hand,

der immer wieder alle Not gewandt.

 

Drum können wir trotz allem heute fröhlich sein,

ich ladt Euch ein, kommt, stimmt doch mit mir ein

ins alte Lied, das schon die Väter sangen,

es will euch nehmen Angst und Frust und Bangen.

 

„Nun danket alle Gott“ wolln wir jetzt singen

durch unser ganzes Dörflein soll es klingen.

 

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